Wochenrückblick KW50: Raps mit politischem Rückenwind – Rekordernten belasten Getreide
- Steffen Oehl
- 12. Dez. 2025
- 6 Min. Lesezeit

Englisch version below.
Wochenrückblick KW50: Raps mit politischem Rückenwind – Rekordernten belasten Getreide
Ölsaatenmärkte
Die Woche am Ölsaatenmarkt war von schwachen Vorgaben und leicht enttäuschenden Exportzahlen geprägt, ehe im weiteren Verlauf einzelne bullische Impulse folgten. Bei Sojabohnen setzten sich zu Wochenbeginn die Kursverluste fort, belastet durch enttäuschende Exporterwartungen sowie die zurückhaltende Ausgestaltung des USDA-WASDE-Berichts. Die erwartete Anhebung der US-Endbestände bestätigte sich, während die Exportprognose unverändert blieb. International fand die Anhebung der globalen Produktionsschätzung nur begrenzte Beachtung, da diese vor allem auf Russland und Indien zurückzuführen war. Mitte der Woche sorgten neue Exportverkäufe von insgesamt über 600.000 Tonnen Sojabohnen und Sojaschrot, darunter Lieferungen nach China, Polen und an unbekannte Destinationen, für leichte Unterstützung. Dennoch blieb der Preisdruck hoch, insbesondere angesichts der weiterhin sehr guten Ertragsaussichten in Südamerika. In Argentinien senkte die neue Regierung die Exportsteuern für Sojabohnen und Sojaprodukte, was auf eine künftig höhere Exportdynamik hindeuten könnte. Sojaschrot setzte seinen Abwärtstrend zunächst fort, bevor zum Wochenschluss eine leichte technische Erholung einsetzte. Sojaöl blieb hingegen weitgehend unbeachtet und reagierte kaum auf die gemischte Nachrichtenlage. Canola zeigte sich an der Börse in Winnipeg sehr volatil. Meldungen über eine hohe Auslastung der Verarbeiter wirkten stützend, während die weiterhin ausbleibende chinesische Nachfrage die mittelfristigen Perspektiven dämpfte. In Europa konnte Rapssaat von einem deutschen Gesetzesvorhaben profitieren, das die Nutzung von Rapsöl als Biokomponente absichert und eine kleine Rally auslöste, die bis zum Wochenschluss anhielt.
Bullish
Unterstützend wirkten neue Exportverkäufe von Sojabohnen und Sojaschrot, insbesondere nach China, sowie politische Impulse aus Deutschland, die die Nachfrage nach Rapsöl im Biokraftstoffsektor absichern sollen. Zusätzlich sorgte die hohe Auslastung der Canola-Verarbeiter in Nordamerika zeitweise für eine festere Marktstimmung.
Bearish
Belastend wirkten die Anhebung der US-Endbestände im jüngsten WASDE-Bericht, die sehr guten Ertragsaussichten für die Sojaernte in Südamerika sowie schwache Exportzahlen im saisonalen Vergleich. Auch die Senkung der Exportsteuern in Argentinien verstärkte die Erwartungen an ein steigendes globales Angebot.
Expertenmeinung
Trotz einzelner positiver Impulse bleibt der Sojakomplex insgesamt unter Druck. Die zuletzt leicht verbesserte Exportdynamik reicht bislang nicht aus, um die belastenden Effekte höherer US-Endbestände und stabiler Produktionsprognosen in Brasilien und Argentinien auszugleichen. Die politischen Entlastungen für argentinische Exporteure könnten das Angebot zusätzlich erhöhen und die Preise dämpfen. Für Rapssaat eröffnen die politischen Weichenstellungen in Deutschland mittelfristig stützende Perspektiven, insbesondere im Zusammenhang mit der Biokraftstoffnachfrage. Canola bleibt vorerst stark schwankungsanfällig, da ohne neue Nachfrageimpulse aus China der Aufwärtsspielraum begrenzt erscheint.
Getreidemärkte
Am Weizenmarkt dominierten in der vergangenen Woche klar bärische Impulse. Der jüngste WASDE-Bericht des USDA brachte für die US-Bilanzen nur geringe Überraschungen, während die globale Produktionsprognose erneut deutlich angehoben wurde. Rekordernten in Kanada und Argentinien, verbesserte Ertragserwartungen in der EU, Russland und Australien sowie ein Anstieg der globalen Saisonendbestände auf 274,9 Mio. Tonnen setzten die Kurse unter Druck. SRW-Weizen an der CBoT konnte zum Wochenschluss zwar etwas Boden gutmachen, blieb auf Wochensicht jedoch schwächer. HRW-Weizen zeigte sich durchgehend unter Druck. Unterstützung kam lediglich vom schwächeren US-Dollar und von soliden US-Exportdaten, die mit über 850.000 Tonnen das obere Ende der Marktschätzungen übertrafen. Zusätzliche Dynamik brachte Argentinien, wo die Buenos Aires Grains Exchange ihre Ernteprognose auf 25,5 Mio. Tonnen anhob und die Rosario Grains Exchange diese sogar auf 27,7 Mio. Tonnen erhöhte. An der Euronext standen die Pariser Weizennotierungen unter dem Einfluss des festeren Euro und schlossen insgesamt leichter. Am Maismarkt bestimmten gegensätzliche Signale das Geschehen. Während sich die globalen Aussichten durch WASDE-bedingte Abwärtskorrekturen, insbesondere für die Ukraine, etwas eintrübten, blieb die US-Produktion unverändert. Starke Exportzahlen mit 2,38 Mio. Tonnen Buchungen in der Vorwoche sorgten für zeitweise Unterstützung. Dennoch konnten sich die Notierungen nur punktuell erholen, da das weltweit hohe Produktionsniveau und der rückläufige Ethanol-Ausstoß in den USA belastend wirkten. In Paris entwickelten sich die Maiskurse uneinheitlich und bewegten sich auf Wochensicht seitwärts.
Bullish
Stützend wirkten die starken US-Exportzahlen bei Weizen und Mais sowie die leichte Reduzierung der globalen Maisendbestände infolge niedrigerer Ernteerwartungen in der Ukraine.
Bearish
Belastend blieben die erneute Anhebung der globalen Weizenproduktion auf ein Rekordniveau, der deutliche Prognoseanstieg für die argentinische Weizenernte sowie die rückläufige Ethanolproduktion in den USA, die die Maisnachfrage dämpft.
Expertenmeinung
Die vergangene Woche bot insbesondere beim Weizen nur wenig Raum für Aufwärtsbewegungen. Die globale Versorgungslage bleibt komfortabel und spiegelt sich zunehmend in den Kursen wider, während selbst starke Exportdaten nur kurzfristige Impulse liefern konnten. Beim Mais bleibt die internationale Nachfrage zwar ein stabilisierender Faktor, doch überwiegt auf mittlere Sicht weiterhin das Angebotsargument. Entscheidend für die weitere Kursentwicklung wird die Entwicklung in Südamerika sein, wobei neben Argentinien vor allem Brasilien mit Blick auf die Wetterbedingungen während der Aussaat in den Fokus rückt. Insgesamt bleibt das Marktumfeld eher bärisch, mit lediglich kurzfristigen bullischen Reaktionen auf Exportmeldungen.
Weekly review KW50: Rapeseed supported by policy tailwinds – record harvests pressure grains
Oilseed markets
The oilseed market was shaped by weak underlying signals and slightly disappointing export figures, before isolated bullish impulses emerged later in the week. Soybeans continued to decline at the beginning of the week, weighed down by disappointing export expectations and the cautious tone of the USDA WASDE report. The anticipated increase in US ending stocks materialised, while export projections remained unchanged. Internationally, the upward revision of global production attracted only limited attention, as it was mainly driven by Russia and India. Mid-week, new export sales totalling more than 600,000 tonnes of soybeans and soybean meal, including shipments to China, Poland and unknown destinations, provided some support. Nevertheless, price pressure remained high due to persistently strong yield prospects in South America. In Argentina, the new government reduced export taxes on soybeans and soy products, pointing towards potentially stronger export dynamics ahead. Soybean meal extended its downward trend before a modest technical rebound towards the end of the week, while soybean oil stayed largely sidelined and showed little reaction to the mixed news flow. Canola prices in Winnipeg were highly volatile. Reports of high processing capacity utilisation provided support, while the continued lack of Chinese demand dampened medium-term prospects. In Europe, rapeseed benefited from a German legislative initiative securing the use of rapeseed oil as a biofuel component, triggering a small rally that carried through to the end of the week.
Bullish
Support came from new export sales of soybeans and soybean meal, particularly to China, as well as political developments in Germany aimed at safeguarding demand for rapeseed oil in the biofuel sector. In addition, high utilisation rates among North American canola processors temporarily improved market sentiment.
Bearish
Negative factors included the increase in US ending stocks in the latest WASDE report, strong yield expectations for the South American soybean crop, and weak export performance compared to seasonal averages. The reduction of export taxes in Argentina also reinforced expectations of rising global supply.
Expert opinion
Despite some positive signals, the soy complex remains under pressure overall. Recent improvements in export activity are not sufficient to offset the impact of higher US ending stocks and stable production outlooks for Brazil and Argentina. Policy relief for Argentine exporters could further increase supply and weigh on prices. For rapeseed, political developments in Germany may provide medium-term support, particularly in relation to biofuel demand. Canola remains highly volatile, and without renewed demand from China, upside potential appears limited.
Grain markets
Bearish influences dominated the wheat market over the past week. The latest USDA WASDE report brought few surprises for US balance sheets, while global production was revised sharply higher once again. Record harvests in Canada and Argentina, improved yield expectations in the EU, Russia and Australia, and a rise in global ending stocks to 274.9 million tonnes weighed heavily on prices. SRW wheat at the CBoT recovered slightly towards the end of the week but still posted losses on a weekly basis, while HRW wheat remained consistently weak. Support was limited to a weaker US dollar and solid US export data, which exceeded expectations at more than 850,000 tonnes. Additional momentum came from Argentina, where the Buenos Aires Grains Exchange raised its crop estimate to 25.5 million tonnes and the Rosario Grains Exchange set a new benchmark at 27.7 million tonnes. At Euronext, Paris wheat prices were influenced by a firmer euro and closed lower overall. In the corn market, mixed signals prevailed. While global prospects were slightly dampened by WASDE-related downward revisions, particularly for Ukraine, US production remained unchanged. Strong export demand, with weekly bookings of 2.38 million tonnes, provided temporary support. However, prices recovered only selectively, as high global production levels and declining US ethanol output continued to weigh on the market. In Paris, corn prices moved unevenly and remained broadly unchanged on a weekly basis.
Bullish
Strong US export figures for wheat and corn, along with a slight reduction in global corn ending stocks due to lower Ukrainian production estimates, offered some support.
Bearish
Pressure persisted from the renewed increase in global wheat production to record levels, the significant upward revision of Argentina’s wheat crop, and declining US ethanol production, which dampens corn demand.
Expert opinion
The past week offered little room for upward price movement, particularly in the wheat market. Global supply remains comfortable and is increasingly reflected in prices, while even strong export data provided only short-lived support. For corn, international demand remains a positive factor, but supply considerations continue to dominate the medium-term outlook. Developments in South America will be key for price direction in the coming weeks, with Brazil joining Argentina in focus as weather conditions influence planting progress. Overall, the environment remains predominantly bearish, with only short-term bullish reactions to export data.