Wochenrückblick KW05: Wetter und Währung bestimmen Soja – Weizen zwischen Frostangst und Exportdynamik
- Steffen Oehl
- vor 5 Tagen
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Wochenrückblick KW05: Wetter und Währung bestimmen Soja – Weizen zwischen Frostangst und Exportdynamik
Ölsaatenmärkte
Die Sojabohnen bewegten sich in der vergangenen Woche in einer ausgeprägten Seitwärtsbewegung mit hoher Volatilität. Wetterbedingte Unsicherheiten in Südamerika, wechselhafte Exportdaten und schwankende Währungsimpulse prägten das Marktgeschehen. Zum Ende der Vorwoche sorgten die verschlechterte Bewertung der argentinischen Sojabestände sowie Gerüchte über weitere chinesische Käufe zunächst für Unterstützung. Zu Wochenbeginn folgte jedoch ein Rücksetzer, ausgelöst durch Gewinnmitnahmen und eine leicht angehobene Ernteschätzung aus Brasilien, auch wenn anhaltende Trockenheit im Süden des Landes weiter Anlass zur Sorge gibt. Zur Wochenmitte profitierte der Sojakomplex von einem schwächeren US-Dollar, der die Wettbewerbsfähigkeit der Exporte verbesserte. Diese Unterstützung blieb jedoch begrenzt, da das USDA-Update zu den wöchentlichen Exportverkäufen hinter dem Vorwochenwert zurückblieb und die Aufwärtsdynamik erneut bremste. Sojaöl zeigte sich in ruhigem Handel stabil, während Sojaschrot zwischenzeitlich Gewinne abgab, insgesamt jedoch durch hohe Verkaufszahlen gestützt wurde.
Im Canola-Markt traf die Rally der Vorwochen zunehmend auf Gewinnmitnahmen. Kanadische Farmer nutzten das höhere Preisniveau für Verkäufe, was die Notierungen in Winnipeg zeitweise unter Druck setzte. Dennoch hielten sich die Kurse insgesamt stabil, gestützt durch das freundliche Umfeld an den Ölsaatenmärkten sowie die Hoffnung auf zusätzliche chinesische Käufe im Anschluss an das jüngste Handelsabkommen. Palmöl blieb dabei ein wichtiger Orientierungsfaktor. An der Euronext zeigte sich der Rapsmarkt uneinheitlich. Zur Wochenmitte legten die Kurse leicht zu, ehe zum Wochenschluss erneut moderate Verluste verzeichnet wurden.
Bullish
Unterstützend wirkten die verschlechterte Bewertung der Sojabestände in Argentinien infolge von Dürre und Hitze, feste Rohölpreise sowie Spekulationen über neue Soja- und Canola-Käufe durch China. Zusätzlich sorgten geopolitische Spannungen für Aufmerksamkeit am Energiemarkt.
Bearish
Belastend wirkten eine leichte Anhebung der brasilianischen Sojaernteprognose, US-Exportdaten aus dem November, die teils deutlich unter dem Vorjahresniveau lagen, sowie die zunehmende Verkaufsbereitschaft kanadischer Canola-Farmer nach der vorangegangenen Rally.
Expertenmeinung
Die Sojamärkte bleiben von einem fragilen Gleichgewicht zwischen Hoffnungen und harten Fundamentaldaten geprägt. Schwache Exportzahlen dominieren weiterhin das Bild und werfen Fragen zur künftigen Nachfrage auf. Kurzfristige Kaufimpulse aus China reichten bislang nicht aus, um eine nachhaltige Trendwende einzuleiten. Der Canola-Markt zeigt sich nach der starken Rally anfällig für Rücksetzer, zumal die Versorgungslage komfortabel bleibt. Entscheidend für die weitere Entwicklung werden frische Exportdaten sowie der Wetterverlauf in Südamerika sein. Eine nachhaltige Kurserholung setzt deutlich stärkere fundamentale Impulse voraus, wobei geopolitische Entwicklungen im Nahen Osten das Umfeld kurzfristig zusätzlich beeinflussen könnten.
Getreidemärkte
Am Weizenmarkt bestimmten starke Witterungseffekte und dynamische Exportmeldungen das Geschehen. In den USA führte eine ausgeprägte Kaltfront mit rekordnahen Tiefsttemperaturen zunächst zu kräftigen Kursaufschlägen bei SRW- und HRW-Weizen. Sorgen vor möglichen Frostschäden in Winterweizenbeständen, insbesondere in Nebraska sowie Teilen von Kansas und Colorado, sorgten zu Wochenbeginn für Risikoaufschläge. Zur Wochenmitte ließ die Nervosität jedoch spürbar nach, nachdem ergiebige Schneefälle als schützender Faktor bewertet wurden. Vergleichbare Wettereffekte wurden auch aus Russland gemeldet. Die tatsächliche Schadenslage bleibt jedoch spekulativ und dürfte erst im Frühjahr belastbar eingeschätzt werden können. Stützend wirkte zudem ein schwacher US-Dollar, der die Exportchancen verbesserte. Die Exportzahlen fielen insgesamt solide aus. Besonders die Weizenbuchungen erreichten ein Neun-Wochen-Hoch und lagen klar über den Erwartungen, während die tatsächlichen Ausfuhren laut USDA am oberen Ende der Schätzungen lagen. An der Euronext standen die Weizennotierungen hingegen unter Druck, da der starke Euro die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Exporte beeinträchtigte.Am Maismarkt wirkten die festen US-Weizenpreise und der schwache Dollar zeitweise unterstützend. Ein zentrales Signal waren außergewöhnlich hohe Exportbuchungen von mehr als vier Millionen Tonnen. Zwar gaben die Kurse einen Teil der Gewinne zwischenzeitlich wieder ab, doch die Exportdaten zum Wochenschluss bestätigten mit knapp 1,7 Millionen Tonnen weiterhin eine robuste Nachfrage. In Argentinien blieben Wetterbedenken aufgrund von Dürre und Hitzewellen bestehen, auch wenn regional Niederschläge gemeldet wurden. Dämpfend wirkte hingegen eine leicht angehobene Ernteschätzung für Brasilien.
Bullish
Stützend wirkten rekordnahe Weizen- und Maisbuchungen aus den USA, anhaltende Frostsorgen in US-Winterweizenregionen trotz schützender Schneedecke sowie fortbestehende Wetterrisiken in Argentinien.
Bearish
Belastend wirkten ein fester Euro, der die EU-Exportaussichten beeinträchtigt, die Anhebung der brasilianischen Maisernteprognose sowie steigende Exportzahlen aus Russland.
Expertenmeinung
Die internationalen Getreidemärkte stehen derzeit im Spannungsfeld zwischen Witterungsrisiken und einer insgesamt robusten Exportnachfrage. Kurzfristige Frostsorgen haben dem US-Winterweizen spürbaren Auftrieb verliehen, auch wenn deren langfristige Auswirkungen noch unklar bleiben. Gleichzeitig sorgen solide Exportzahlen für Stabilität. Beim Mais stützt die rege US-Exporttätigkeit das Marktumfeld, während wetterbedingte Unsicherheiten in Argentinien fortbestehen. Verbesserte Ernteaussichten in Brasilien wirken jedoch dämpfend. Für die kommende Woche dürfte die weitere Kursentwicklung maßgeblich von neuen Wetterprognosen und frischen Exportdaten abhängen.
Weekly review KW05: Weather and currency drive soy – wheat caught between frost fears and export momentum
Oilseed markets
Soybeans traded in a volatile sideways range over the past week, shaped by weather-related uncertainty in South America, mixed export data and fluctuating currency signals. Towards the end of the previous week, deteriorating crop conditions in Argentina and rumours of additional Chinese purchases provided support. At the start of the week, prices corrected lower due to profit-taking and a slightly higher crop estimate for Brazil, although persistent dryness in southern regions continues to raise concerns. Mid-week, the soy complex benefited from a weaker US dollar, improving export competitiveness. This support faded as the USDA’s weekly export sales update fell short of the previous week’s level, limiting upside momentum. Soybean oil traded steadily in calm conditions, while soybean meal gave up part of its gains but remained supported by strong sales figures.
In the canola market, the rally of previous weeks increasingly met profit-taking. Canadian farmers used higher price levels to sell, temporarily weighing on Winnipeg prices. Nevertheless, values held relatively stable, supported by the broader strength in oilseed markets and hopes for additional Chinese buying following the recent trade agreement. Palm oil remained an important guiding factor. At Euronext, rapeseed prices were mixed, edging higher mid-week before posting modest losses towards the end of the week.
Bullish
Support came from worsening soybean crop conditions in Argentina due to drought and heat, firm crude oil prices and speculation about renewed soybean and canola purchases by China. Geopolitical tensions also drew attention to the energy markets.
Bearish
Negative factors included a slight upward revision of Brazil’s soybean crop estimate, US November export data that were in some cases well below year-ago levels, and increasing selling pressure from Canadian canola farmers after the recent rally.
Expert opinion
Soy markets remain caught between supportive hopes and challenging fundamentals. Weak export performance continues to dominate sentiment and raises questions about future demand. Short-term buying interest from China has so far failed to trigger a sustainable recovery. Canola, after its strong rally, appears vulnerable to corrections given comfortable supply conditions. Key drivers ahead will be fresh export data and weather developments in South America. A lasting recovery will require stronger fundamental support, while geopolitical developments could add short-term volatility.
Grain markets
Wheat markets were driven by pronounced weather effects and dynamic export news. In the United States, a severe cold front with near-record low temperatures initially sparked sharp gains in SRW and HRW wheat. Concerns over potential frost damage to winter wheat, particularly in Nebraska and parts of Kansas and Colorado, added risk premiums early in the week. Mid-week, anxiety eased as heavy snowfall was seen as a protective factor. Similar weather conditions were reported in Russia. However, actual damage assessments remain speculative and are unlikely to be confirmed before spring. A weaker US dollar further supported export competitiveness. Export data were broadly solid, with wheat bookings reaching a nine-week high and shipments reported by the USDA at the upper end of expectations. At Euronext, wheat prices came under pressure from a strong euro, which weighed on EU export prospects.Corn markets received temporary support from firm US wheat prices and the weaker dollar. A key highlight was exceptionally strong export bookings exceeding four million tonnes. Although prices gave back part of these gains, end-of-week export figures of nearly 1.7 million tonnes confirmed robust demand. In Argentina, concerns over drought and heat persisted despite some regional rainfall. Offsetting this support, a slightly higher corn crop estimate for Brazil weighed on sentiment.
Bullish
Supportive factors included near-record US wheat and corn bookings, ongoing frost concerns in US winter wheat areas despite snow cover, and continued weather risks in Argentina.
Bearish
Downside pressure stemmed from a strong euro impacting EU export competitiveness, an upward revision of Brazil’s corn crop estimate and rising export volumes from Russia.
Expert opinion
Global grain markets are currently balancing weather risks against solid export demand. Short-term frost concerns have clearly supported US winter wheat, although longer-term impacts remain uncertain. At the same time, stable export performance is underpinning prices. In corn, strong US exports provide support, while weather uncertainty in Argentina persists. Improved crop prospects in Brazil, however, continue to cap upside potential. In the near term, price direction will largely depend on evolving weather forecasts and incoming export data.