Wochenrückblick KW22: Nahost und Rohöl bestimmen Ölsaaten – Russische Erntehoffnung belastet Weizen
- 6. Juni
- 7 Min. Lesezeit

Englisch version below.
Wochenrückblick KW22: Nahost und Rohöl bestimmen Ölsaaten – Russische Erntehoffnung belastet Weizen
Ölsaatenmärkte
Die Ölsaatenmärkte zeigten sich in der verkürzten Handelswoche uneinheitlich. Während Sojabohnen nach zwischenzeitlicher Schwäche wieder Unterstützung fanden, sorgten die starken Ausschläge bei Canola und Raps für die größten Bewegungen. Im Mittelpunkt standen die Entwicklungen am Rohölmarkt, die Gespräche zwischen den USA und dem Iran sowie Meldungen aus Südamerika. Zu Wochenbeginn belasteten sinkende Rohölpreise den gesamten Ölsaatensektor. Besonders Canola und Raps gerieten nach den kräftigen Verlusten am Energiemarkt deutlich unter Druck. Gleichzeitig blieb die Nachfrage nach US-Sojabohnen zwar hinter dem Vorjahresniveau zurück, die jüngsten Exportzahlen signalisierten jedoch eine gewisse Belebung des internationalen Geschäfts. Vor allem die wieder zunehmenden Lieferungen nach China wurden von Marktteilnehmern positiv aufgenommen. Zur Wochenmitte rückte die Entwicklung der neuen US-Ernte stärker in den Vordergrund. Die Sojabohnenaussaat schritt deutlich schneller voran als im langjährigen Durchschnitt und bestätigte die grundsätzlich günstigen Produktionsaussichten. Zusätzlicher Druck entstand durch schwächere Rohölpreise, nachdem Hoffnungen auf Fortschritte in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran aufgekommen waren. Unterstützung erhielt der Sojakomplex dagegen aus Argentinien. Dort sorgte die Ankündigung eines landesweiten Streiks in der Ölsaatenverarbeitung für Unsicherheit über mögliche Exportunterbrechungen. Obwohl die Regierung rasch eine Schlichtungsfrist verhängte, blieb das Thema ein wichtiger Stützungsfaktor. Gegen Ende der Woche überwogen wieder die freundlichen Impulse. Die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Gespräche im Nahen Osten hielt die Risikoaufschläge am Energiemarkt aufrecht. Gleichzeitig bestätigten die Erntefortschritte in Argentinien eine robuste Produktion, ohne die Kurse nennenswert zu belasten. Besonders Canola profitierte von festen Sojaölvorgaben und legte mehrere Tage in Folge deutlich zu. Auch der Rapsmarkt in Paris konnte die Verluste vom Wochenbeginn vollständig aufholen und die Woche auf festerer Basis beenden.
Bullish
Unterstützend wirkten die wieder zunehmenden Sojabohnenexporte nach China, die Streikrisiken in der argentinischen Ölsaatenverarbeitung sowie die festen Sojaölmärkte, die Canola und Raps zusätzliche Unterstützung verliehen.
Bearish
Belastend wirkten der schnelle Aussaatfortschritt bei US-Sojabohnen, hohe Prognosen für die Canola-Lagerbestände 2025/26 sowie zeitweise schwächere Rohölpreise.
Expertenmeinung
Der Sojakomplex hat sich trotz eines insgesamt komfortablen Angebotsumfeldes bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt. Kurzfristig dürften die Entwicklungen am Energiemarkt sowie politische Signale aus dem Nahen Osten eine wichtige Rolle spielen. Die zügige Aussaat in den USA spricht für eine gute Produktionsbasis, bislang fehlt jedoch zusätzlicher Verkaufsdruck aus den Anbaugebieten. Bei Canola und Raps ist nach der kräftigen Erholung mit erhöhter Schwankungsbereitschaft zu rechnen. Sollten sich die Aussaatbedingungen in Kanada weiter verbessern, könnte die jüngste Rally an Dynamik verlieren. Insgesamt erscheint die Stimmung derzeit leicht freundlich, bleibt aber stark von externen Faktoren abhängig.
Getreidemärkte
Die Getreidemärkte standen in der verkürzten Handelswoche vor allem unter dem Einfluss günstiger Produktionsaussichten in wichtigen Anbauregionen. Während sich die Exportnachfrage insgesamt solide zeigte, richtete sich der Fokus der Marktteilnehmer zunehmend auf Wetterentwicklungen und Ernteerwartungen für die neue Saison. Am Weizenmarkt startete die Woche mit wenig neuer Orientierung aus den USA, da der Handel wegen des Memorial Day ruhte. Die Aufmerksamkeit galt deshalb zunächst den Exportzahlen und den europäischen Märkten. Die US-Weizenexporte der alten Ernte bewegen sich weiterhin auf einem hohen Niveau und liegen leicht über dem vom USDA erwarteten Tempo. Gleichzeitig blieben die französischen Weichweizenbestände mit 80 Prozent gut beziehungsweise ausgezeichnet stabil. Im weiteren Wochenverlauf gerieten die Kurse jedoch zunehmend unter Druck. Ausschlaggebend waren die rasch voranschreitende Aussaat des Sommerweizens, die fortgeschrittene Entwicklung der Winterweizenbestände sowie Niederschlagsprognosen für die US-Plains. Hinzu kamen höhere Ernteprognosen aus Russland, nachdem verbesserte Bodenfeuchtigkeit die Erwartungen an die kommende Ernte steigen ließ. Trotz historisch schwacher Zustandsbewertungen beim US-Winterweizen konzentrierte sich der Markt stärker auf die Aussicht einer ausreichenden Versorgung. SRW-Weizen entwickelte sich dabei etwas fester als HRW-Weizen, dessen Notierungen die gesamte Woche über stärker unter Druck standen. An der Euronext folgten die Kurse überwiegend den internationalen Vorgaben. Zusätzlichen Gegenwind lieferten Regenaussichten in europäischen Anbaugebieten und der feste Euro.
Der Maismarkt zeigte sich ebenfalls schwächer. Zwar bleiben die US-Exportzahlen beeindruckend und liegen deutlich über dem Vorjahresniveau, dennoch überwogen die Belastungsfaktoren. Die Aussaat in den USA kommt weiterhin zügig voran und bewegt sich nahe den Erwartungen des Handels. Zusätzlich sorgten fallende Rohölpreise zeitweise für Druck auf den Ethanolsektor und damit auf die Maisnachfrage. Aufmerksamkeit erhielt zudem Indien, wo die Anbaufläche für Ethanolrohstoffe innerhalb weniger Jahre stark ausgeweitet wurde. Gegen Ende der Woche konnten sich die Maisnotierungen leicht erholen. Unterstützung kam von widersprüchlichen Meldungen über die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sowie von einer weiterhin robusten Nachfrage. In Europa entwickelte sich Mais freundlicher als Weizen und konnte die Wochenverluste zum Schluss sogar vollständig wettmachen.
Bullish
Unterstützend wirkten die weiterhin sehr starken US-Maisexporte, der erwartete steigende Weizenimportbedarf Brasiliens sowie die zunehmende Ethanolproduktion in Indien, die die langfristige Getreidenachfrage stärkt.
Bearish
Belastend wirkten die höheren russischen Weizenernteprognosen, der zügige Aussaatfortschritt bei Mais und Sommerweizen in den USA sowie die Niederschlagsaussichten in wichtigen Anbaugebieten der USA und Europas.
Expertenmeinung
Die Märkte befinden sich derzeit in einer Phase, in der Produktionsaussichten mehr Gewicht erhalten als kurzfristige Nachfragesignale. Beim Weizen dürfte insbesondere die Entwicklung der Ernten in Russland, den USA und Europa entscheidend bleiben. Sollten die angekündigten Niederschläge eintreten, könnte der Druck auf die Notierungen zunächst anhalten. Beim Mais sorgen die starken Exportzahlen weiterhin für eine gewisse Stabilisierung. Gleichzeitig begrenzen die gute Aussaatentwicklung in den USA und hohe Produktionserwartungen in Südamerika größere Aufwärtsbewegungen. Insgesamt spricht die aktuelle Nachrichtenlage eher für eine kurzfristige Seitwärtsbewegung.
Weekly review KW22: Middle East and crude oil drive oilseeds – Russian crop prospects weigh on wheat
Oilseed markets
Oilseed markets showed a mixed performance during the shortened trading week. While soybeans found support again after temporary weakness, canola and rapeseed experienced the largest price swings. Market attention focused on developments in crude oil markets, negotiations between the United States and Iran and news from South America. At the beginning of the week, falling crude oil prices weighed on the entire oilseed sector. Canola and rapeseed in particular came under significant pressure following sharp losses in energy markets. At the same time, demand for US soybeans remained below year-ago levels, although recent export data indicated some improvement in international business. Increasing shipments to China were viewed positively by market participants. By mid-week, attention shifted to the new US crop. Soybean planting progressed much faster than the long-term average, reinforcing expectations for favourable production prospects. Additional pressure came from weaker crude oil prices as hopes increased for progress in negotiations between the United States and Iran. Support came from Argentina, where the announcement of a nationwide strike in the oilseed processing sector raised concerns about potential export disruptions. Although the government quickly imposed a mediation period, the issue remained an important supportive factor. Toward the end of the week, positive influences regained the upper hand. Uncertainty surrounding developments in the Middle East maintained risk premiums in energy markets. At the same time, harvest progress in Argentina confirmed robust production without significantly weighing on prices. Canola benefited particularly from strong soybean oil markets and posted several consecutive days of gains. Rapeseed in Paris also recovered all losses from the beginning of the week and ended the period on a firmer footing.
Bullish
Support came from increasing soybean exports to China, strike risks in the Argentine oilseed processing industry and firm soybean oil markets, which provided additional support for canola and rapeseed.
Bearish
Pressure stemmed from rapid US soybean planting progress, high forecasts for 2025/26 canola stocks and temporarily weaker crude oil prices.
Expert opinion
Despite a generally comfortable supply environment, the soy complex has shown notable resilience. In the short term, developments in energy markets and political signals from the Middle East are likely to remain important drivers. Rapid planting progress in the United States supports a favourable production outlook, although additional selling pressure from growing regions has yet to emerge. Following the strong recovery, canola and rapeseed are likely to remain highly volatile. Should planting conditions in Canada continue to improve, the recent rally could lose momentum. Overall sentiment remains slightly positive but highly dependent on external factors.
Grain markets
Grain markets during the shortened trading week were mainly influenced by favourable production prospects across key growing regions. While export demand remained generally solid, market participants increasingly focused on weather developments and crop expectations for the new season. Wheat markets started the week with little guidance from the United States due to the Memorial Day holiday. Attention therefore shifted toward export data and European markets. US old-crop wheat exports continue to run at a pace slightly above USDA expectations. At the same time, French soft wheat conditions remained stable, with 80 percent rated good to excellent. As the week progressed, prices came under increasing pressure. Rapid spring wheat planting, advanced winter wheat development and rainfall forecasts for the US Plains weighed on sentiment. Higher Russian crop estimates also added pressure as improved soil moisture boosted expectations for the upcoming harvest. Despite historically weak US winter wheat ratings, markets focused more heavily on the prospect of adequate global supplies. SRW wheat performed slightly better than HRW wheat, which remained under greater pressure throughout the week. Euronext wheat largely followed international market developments, while rainfall forecasts in Europe and a stronger euro added further pressure.Corn markets also weakened. Although US export performance remains significantly above year-ago levels, bearish factors dominated. US planting progress continues at a rapid pace and remains close to trade expectations. Falling crude oil prices periodically pressured the ethanol sector and therefore corn demand. India also attracted attention as acreage dedicated to ethanol feedstocks has expanded significantly in recent years. Toward the end of the week, corn prices recovered modestly. Support came from conflicting reports regarding negotiations between the United States and Iran as well as continued robust demand. In Europe, corn outperformed wheat and managed to recover all weekly losses by the end of the week.
Bullish
Support came from very strong US corn exports, expectations for increased Brazilian wheat imports and expanding ethanol production in India, which strengthens long-term grain demand.
Bearish
Pressure stemmed from higher Russian wheat production forecasts, rapid corn and spring wheat planting progress in the United States and favourable rainfall forecasts across key growing regions in the US and Europe.
Expert opinion
Markets are currently in a phase where production prospects carry more weight than short-term demand signals. In wheat, developments in Russia, the United States and Europe will remain crucial. If forecast rainfall materialises, pressure on prices may continue. In corn, strong export demand continues to provide some support. However, favourable planting progress in the United States and high production expectations in South America are limiting upside potential. Overall, current market conditions suggest a short-term sideways trend.